Die Woche des Mobs
Samstag, September 15th, 2007Mein gefühlter Wochenrückblick – ist diese neue, zunächst auf das Wetter angewandte Bedeutung des Wortes “gefühlt” nicht wunderbar! Läßt es doch alles intersubjektive, quasi zementierte Objektive zerrinnen in die reine individuelle Befindlichkeit, nur ein Wunder, wir können uns noch verständigen.
Die Woche, sie stand im Zeichen des Mobs.
Wieder einmal wurde eines dieser immergleichen Tempel des Konsums eingeweiht. MediaMarkt rief den Mob und wurde erhört, 5000 stürmten und schlugen sich um Handys und Laptops und weitere werden kommen, um den Ort der Konsumschlacht voller wohltuender Schauer zu besichtigen und zur weiteren Vermehrung der “Saublöden” beizutragen. Wäre es dem Einzelnen nicht körperlich zu abträglich, würde ich diesen Beschwöreren des Mobs eine mobbige Stampede quer durch ihren Laden wünschen, mit Wiederholungstaste.
Eva Hermann entwickelte Ihre Visionen von Familienpolitik, da wärem die Ermordung von jüdischen Familien und von Sinti und Roma, da wären die hervorragenden familienpolitischen Einrichtungen wie HJ und BDM, da wär die Auslöschung unwerten Lebens und Lebensborn. Der sich lesend gebende Mob ist begeistert und befördert ihr Buch in die Bestsellerlisten, zur Vermehrung des Einkommens von Eva Hermann, sie soll doch nicht darben bei all diesen familiären Visionen.
Die Politik tat auch ihre Pflicht, und besonders bei den konservativen Politikern stehen Werte wie Pflicht hoch im Kurs, und da war es nur zwangsläufig, daß auch einer von ihnen einen Beitrag zur Woche des Mobs in die Welt posaunt. Da spielen dann auch die im Grundgesetz garantierte Relegionsfreiheit keine Rolle mehr. Herr Bosbach, ist Ihnen schon aufgefallen, aktiv gewordene islamische Terroristen waren in den meisten Fällen bartlos, sollte da nicht das Kriterium Konvertit erweitert werden zu “rasierter Konvertit” und ihrem Parteifreund Schäuble folgend für solche Personen so eine Art Lager eingerichtet werden. Der Mob wir begeistert sein.
Als ein Mobbist ohne Anhang entpuppt sich immer mehr Kardinal Meisner, irgendwie scheint an ihm die Säkuralisierung der Welt vorbeigegangen sein, aber ein katholischer Fundamentalist hat auch ein Recht auf seine ganz persönliche Weltsicht, und da kann man schon mal auf die Wortwahl der Unmenschen zurückgreifen, wenn sich Künstler erdreisten, nicht religös beseelte Kunst zu produzieren. Fundamentalisten aller Religonen vereinigt euch! Religöser Mob, Garant von mobbiger Qualität!