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Archive for the ‘Reflexionen’ Category

Noch einmal Zug der Erinnerung

Dienstag, April 29th, 2008

Dienstag vormittag am S-Bahnhof Grunewald. Viele Schulklassen sind für die Ausstellung angemeldet und sammeln sich auf dem Bahnsteig. Ich schätze, so zwischen 12 und 18. Wie ich später mitkriege, habe ich das Alter wohl etwas zu hoch angesetzt.

Eine Gruppe jüngerer Schüler tobt so auf dem Bahnsteig, daß die Sicherheitsleute sichtbar nervös werden, wenn auf dem Nebengleis ein Zug ein- oder durchfährt. Sie waren vielleicht nicht angemeldet, denn nach einer Weile sammeln sie sich um die Lehrer und gehen wieder.

Eine Gruppe, die sich als 14/15jährige herausstellt, wartet links von uns. Für die Jahreszeit sind sie erstaunlich gebräunt, die Mädchen stark geschminkt, Jeans eng und knapp, mit und ohne Kopftuch, die Jungs cool mit überweiten Hosen, die sich auf den Schuhen bauschen, oder auch sehr körperbetont. Die ruhigeren haben Ohrhörer im Ohr und kriegen von ihrer Umgebung nicht viel mit. Alle scheinen sich aber über ihr Aussehen oder ihr Handy zu definieren. Auf ihrer Seite des Wartebereichs stehen Stühle, fast alle von Jungs besetzt.

Als wir bis zum Eingang vorgerückt sind, scharren sie schon mit den Hufen. Heftige Anmache eines Jungen: „Geht ruhig rein, wir warten doch erst eine Stunde.“ Die alte Dame hinter uns hat 1 ¾ Stunde gestanden, ohne ein Wort zu sagen.

Der Eingang zur Ausstellung geht durch den engen Gang eines alten Eisenbahnwaggons. Vor uns noch die vorige Gruppe, es geht langsam voran, aber die Bilder und, als wir vorgerückt sind, die Texte erdrücken, zwingen zur Stille.

Die Schülergruppe ist unruhig, steht als Grüppchen nach innen gerichtet, die Rücken zu den Exponaten. Unterhaltung, sogar ein Telefonat. Leises Gemoser: „Warum geht das nicht weiter!“ Irgendwann ein lautes Pscht!, ich weiß aber nicht, von wem.

Regine

Zug der Erinnerung – Nachtrag

Dienstag, April 29th, 2008

Als der Zug der Erinnerung am Sonntag an der Putlitzbrücke Station machte, war uns die Schlange zu lang.

Dafür waren wir dienstag früh am S-Bahnhof Grunewald.

Auf dem Bahnsteig schon eine Schlange, aber die Wartezeit erschien uns erträglich. Was wir nicht bedacht hatten: Angemeldete Schulklassen bildeten eine zweite Schlange und wurden bevorzugt eingelassen.

Das Warten ist zwar recht windig und kalt, aber außerordentlich kurzweilig. Zwei junge Frauen unterhalten sich über das letzte Vorstellungsgespräch, darüber, wie ihre Kinder eine solche Ausstellung aufnähmen, dann folgt ein längerer Austausch über die Ereignisse in Kindergarten und Schule und Elternversammlungen der letzten Monate.

Hinter uns mehrere ältere Damen, von denen eine ihrem Erstaunen Ausdruck verleiht, warum Schüler eine solche Ausstellung überhaupt besuchen, denn die würden das ja sowieso nicht lesen, sondern nur die Bilder anschauen. Da bräuchten sie doch gar nicht zu kommen, dann müßten die anderen nicht so lange warten. Ein Herr, der die Ausstellung begleitet, entschuldigt sich für die Wartezeit und erläutert, daß ja gerade die Jugendlichen die, wie er sagt, „Kundschaft“ dieser Ausstellung seien. Richtig.

Ein alter Herr mit Stock wird von einer jüngeren Frau gestützt und auf- und ab geführt, eine alte Dame hinter uns wartet die ganze Zeit ohne ein Wort. Später entnehme ich aus ihrer Unterhaltung mit der aufsichtführenden Dame in der Ausstellung, daß sie sich als Kind noch schwach daran erinnern kann, daß Leute in der Umgebung einfach verschwanden.

Regine


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