Zug der Erinnerung – Nachtrag
Als der Zug der Erinnerung am Sonntag an der Putlitzbrücke Station machte, war uns die Schlange zu lang.
Dafür waren wir dienstag früh am S-Bahnhof Grunewald.
Auf dem Bahnsteig schon eine Schlange, aber die Wartezeit erschien uns erträglich. Was wir nicht bedacht hatten: Angemeldete Schulklassen bildeten eine zweite Schlange und wurden bevorzugt eingelassen.
Das Warten ist zwar recht windig und kalt, aber außerordentlich kurzweilig. Zwei junge Frauen unterhalten sich über das letzte Vorstellungsgespräch, darüber, wie ihre Kinder eine solche Ausstellung aufnähmen, dann folgt ein längerer Austausch über die Ereignisse in Kindergarten und Schule und Elternversammlungen der letzten Monate.
Hinter uns mehrere ältere Damen, von denen eine ihrem Erstaunen Ausdruck verleiht, warum Schüler eine solche Ausstellung überhaupt besuchen, denn die würden das ja sowieso nicht lesen, sondern nur die Bilder anschauen. Da bräuchten sie doch gar nicht zu kommen, dann müßten die anderen nicht so lange warten. Ein Herr, der die Ausstellung begleitet, entschuldigt sich für die Wartezeit und erläutert, daß ja gerade die Jugendlichen die, wie er sagt, „Kundschaft“ dieser Ausstellung seien. Richtig.
Ein alter Herr mit Stock wird von einer jüngeren Frau gestützt und auf- und ab geführt, eine alte Dame hinter uns wartet die ganze Zeit ohne ein Wort. Später entnehme ich aus ihrer Unterhaltung mit der aufsichtführenden Dame in der Ausstellung, daß sie sich als Kind noch schwach daran erinnern kann, daß Leute in der Umgebung einfach verschwanden.
Regine
