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Gedanken zur Slow-Food-Messe

Hinter mir liegt eine veranstaltungsreiche Woche. Zunächst war ich auf der re:publica in Berlin, und am Sonntag war ich auf der Slow Food Messe in Stuttgart.

Diese beiden Veranstaltungen haben wenig gemeinsam. Schon der Altersdurchschnitt auf der Slow-Food-Messe fängt da an, wo er bei der re:publica aufhört. Ich finde es schade, daß es fast keine Berührungspunkte zwischen diesen Milieus gibt. Eine Slow-Food-Bewegung kann durch die Nutzung neuer Kommunikationsmittel nur gewinnen, und die Idee dezentraler Strukturen und kleiner produktiver Einheiten ist beiden Mileus nicht fremd. Überraschenderweise gab es für mich dann doch ein Erlebnis, welches beide Mileus verbindet. Auf der Slow-Food-Messe gab es eine Vinothek, und die dort ausgestellten Weine wurden von fachkundigen Helfern ausgeschenkt. Mir fiel eine junge Frau auf, die sehr professionell Weininteressierte beriet. Neugierig geworden, fragte ich nach Ihren persönlichen Empfehlungen, es waren Weine, welche mir sehr gut gefielen. Meine Neugierde wurde größer, und ich fragte, in welchem Restaurant sie arbeite. Es stellt sich heraus, sie ist Softwareentwicklerin.

Zwei der empfohlenen Weine will ich hier erwähnen: einen Riesling von Weingut Leiner, der junge Winzer Jürgen Leiner aus Ilbesheim in der Südpfalz hat mit seinem Riesling Handwerk einen Wein gewschaffen, der durch ausgeprägte Mineralik und Frische begeistert.
Meine zweite Empfehlung ist ein deutsches Rotwein-Cuvée vom Weingut Fürst zu Hohenlohe-Öhringen. Das Cuvée besteht aus Lemberger, Burgunder und Cabernet Sauvignon und lag zwei Jahre im Holzfaß. Tannine und Holztöne sind wunderbar in den tiefdunklen Rotwein eingebunden. Ein kräftiger, warmer Wein, der mich an südfranzösische Weine von Dorfappellationen erinnerte. Trotz seiner Wuchtigkeit ist er mit Finesse ausgestattet, erinnerte mich an Brombeer, Pflaume und balsamische Aromen. Der Name des Weines: Ex flammis orior.
Ein weiterer Wein, der mir gefallen hat und vom dem ich mir schon auf Grund seines Namens einige Flaschen zulegen muß, ist der Lemberger “Dicker Franz” vom Weingut Burg Ravensburg.
Wer ganz viel über Geschmackserlebnisse auf der Slow-Food-Messe erfahren will, dem empfehle ich den Blog von Jans Küchenleben. Da gibt es sehr viele Informationen, verschiedene Produkte und Produzenten werden vorgestellt, und die Berichte sind so ein Art verbalen Livestreams. Sehr bewundernswert, diese Produktivität. Der Blog enthält auch Verweise auf weitere Berichte über die Slow-Food-Messe.

Zum Schluß noch einige Bemerkungen zu Slow Food, viele kennen Slow Food noch nicht, andere setzen Slow Food mit einer Altherren-Veranstaltung zur Reduktion aller Begierde auf kulinarisches Delirieren gleich, oder es wird als Synonym für Genuß verwendet. Für mich hat Slow Food die Förderung einer Lebensmittelproduktion zum Ziel, die kleinteilig, regional, handwerklich geprägt ist, die traditionelle Arbeitsweisen aufgreift und eine Vielfalt der Lebensmittel erhält und den Produzenten in allen Teilen der Welt ein gutes Einkommen sichert. Die Mittel dazu sind vielfältig, und auf der Seite von Slow Food International wird durch folgenden Satz der Anspruch erhoben, Co-Produzent zu sein: “Wir sehen uns selbst als Co-Produzenten, nicht als Konsumenten, denn indem wir darüber informiert werden, wie unser Essen produziert wird und aktiv diejenigen, die es produzieren, unterstützen, werden wir ein Teil von und ein Partner im Herstellungsprozess.” An anderer Stelle auf dieser Seite wird auf Geschmacksbildung, Märkte, Verkostungen verwiesen, es gibt bestimmt viele phantasievolle Aktionen. Der Genuß ist dann das Ergebnis. So war auch die Slow-Food-Messe Deutschland ein großes Genußfestival, für die Produzenten war die Messe eine hervorragende Plattform, ihre Produkte einem oft noch unbedarften Publikum zu präsentieren und zu informieren. Hier wurde die Rolle des Co-Produzenten voll erfüllt.

Ach, noch etwas, so was wie diesen Pressespiegel zur re:publica würde ich mir auch für die Slow-Food-Messe wünschen. Leider findet man unter der Google News Suche nur 26 Einträge über die Slow-Food-Messe bezogen auf den letzten Monat, kann sich ja noch steigern.

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