Dienstag vormittag am S-Bahnhof Grunewald. Viele Schulklassen sind für die Ausstellung angemeldet und sammeln sich auf dem Bahnsteig. Ich schätze, so zwischen 12 und 18. Wie ich später mitkriege, habe ich das Alter wohl etwas zu hoch angesetzt.
Eine Gruppe jüngerer Schüler tobt so auf dem Bahnsteig, daß die Sicherheitsleute sichtbar nervös werden, wenn auf dem Nebengleis ein Zug ein- oder durchfährt. Sie waren vielleicht nicht angemeldet, denn nach einer Weile sammeln sie sich um die Lehrer und gehen wieder.
Eine Gruppe, die sich als 14/15jährige herausstellt, wartet links von uns. Für die Jahreszeit sind sie erstaunlich gebräunt, die Mädchen stark geschminkt, Jeans eng und knapp, mit und ohne Kopftuch, die Jungs cool mit überweiten Hosen, die sich auf den Schuhen bauschen, oder auch sehr körperbetont. Die ruhigeren haben Ohrhörer im Ohr und kriegen von ihrer Umgebung nicht viel mit. Alle scheinen sich aber über ihr Aussehen oder ihr Handy zu definieren. Auf ihrer Seite des Wartebereichs stehen Stühle, fast alle von Jungs besetzt.
Als wir bis zum Eingang vorgerückt sind, scharren sie schon mit den Hufen. Heftige Anmache eines Jungen: „Geht ruhig rein, wir warten doch erst eine Stunde.“ Die alte Dame hinter uns hat 1 ¾ Stunde gestanden, ohne ein Wort zu sagen.
Der Eingang zur Ausstellung geht durch den engen Gang eines alten Eisenbahnwaggons. Vor uns noch die vorige Gruppe, es geht langsam voran, aber die Bilder und, als wir vorgerückt sind, die Texte erdrücken, zwingen zur Stille.
Die Schülergruppe ist unruhig, steht als Grüppchen nach innen gerichtet, die Rücken zu den Exponaten. Unterhaltung, sogar ein Telefonat. Leises Gemoser: „Warum geht das nicht weiter!“ Irgendwann ein lautes Pscht!, ich weiß aber nicht, von wem.
Regine