Ein Rück- und Ausblick
Dieser Sommer war nicht der ideale Biergarten-Sommer. Trotzdem gab es genug Tage, um in einem Biergarten oder in im angesagten mondänen Äquivalent, dem Strandbad, die Seele baumeln zu lassen.
Eine Besprechung aller oder nur der wichtigsten Biergärten/Strandbäder würde einen Blog-Beitrag sprengen, deshalb hier nur die vier Biergärten, welche sich innerhalb von 800 m Luftlinie von uns befinden. Um genau zu sein, es sind zwei Biergärten und zwei Strandbäder. Der Unterschied zwischen Biergarten und Strandbad besteht nicht nur in dem Angebot von Getränken und Speisen. Im Strandbad wird eher Tequila geschlürft als Bier getrunken und, wenn Bier, irgendein exotisches aus Mexiko oder sonstwoher, bei Speisen werden eher Tapas als Bratwürstchen bevorzugt. Der wesentliche Unterschied ist jedoch, Strandbäder kann man mit Hilfe einiger Fuhren Sand überall dort eröffnen, wo die Ödnis bei aller Anstrengung der eigenen Phantasie auch nur im entferntesten an einen Biergarten denken läßt. Zugegebenermaßen entwickeln die meisten Strandbäder einen unwiderbringlichen Charme in dieser ehemaligen Ödnis und lassen beim Zuhausegebliebenen Urlaubsgefühle und Fernweh aufkommen.
Nun zum Biergarten Nummer 1, dem Café am Neuen See, bei überzeugten Bewohner von Kreuzberg, Friedrichshain oder an anderen angesagten Orten des wirklichen Lebens etwas verrufen als Yuppie-Garten oder Touristenfalle, würde ich ihn zum südlichsten Biergarten von Berlin erklären, denn er beamt mich immer wieder in einen Münchner Biergarten im Englischen Garten.

Der eine oder andere Leser insbesondere aus München wird wohl meinen, München sei doch soviel schöner, so nahe an den Bergen und so viele schöne Seen so nahe an München. Da kann ich als Wahlberliner nur sagen, hier gibt es soeviel Wasser, daß man sich schon die ganzen Namen fast nicht merken kann, und Pfützen sind es auch keine, na ja, was die Berge betrifft, liegt Berlin nur marginal weiter von den Alpen entfernt als München, wenn es man zu den Gebirgen in Richtung Osten, Westen und Norden in Relation setzt. Ural und Rocky Mountains sind jedenfalls um ein Vielfaches von Berlin entfernt und sonst ist kein nennenswertes Gebirge bei Google zu sehen. Zurück zum Biergarten Haus am See, hier sitzt man unter alten Laubbäumen an einem Weiher, genießt ein Paulaner, voriges Jahr war es noch Andechser, speist eine hervorragende Pizza oder ein teures gegrilltes Bio-Hendl, und wenn die Stimmung zu münchnerisch wird, steht der Gast auf geht einige wenige hundert Meter

und gelangt zum Schleusenkrug, für mich das Berliner Gegenstück zu Haus am See. Der Schleusenkrug ist etwas kleiner als das Haus am See und durch eine Vielzahl von verschiedenen Ebenen(Terrassen) unübersichtlicher. Außerdem baut man hier oder da gerne um, also das, worauf der Berliner so große Stücke hält – Berlin ein ewiges Werden -. Es gibt einen Grillstand mit leckeren Bratwürstchen, guten Leberkäsportionen und pikanten Merguez-Würstchen, alles in Bio-Qualität. Die zweite Selbsbedienungstheke bietet verschiedene Salate und Suppen an, ich lande immer wieder bei einem hervorragenden Flammkuchen. Der Gast sitzt hier mit Blick auf die Schleuse des Landwehrkanals oder kann die vorbeieilenden Passanten vom Bahnhof Zoo oder Tiergarten oder halt die anderen Gäste beobachten.
Die nächste Einkehrstation legt in der Franklinstraße. Durch die Einfahrt eines Gewerbehofes und am Ende dieses Hofes erreicht der Suchende das Strandbad Café Zeitlos. Es ist die kleinste gastronomische Einrichtung auf unserer Tour, besticht zunächst durch viel Sand auch in den Innenräumen mit dem Versuch südseeatmosphärischer Dekoration.

Bei etwas Glück bekommt man einen Platz direkt an der Spree. Eine Leitplanke schützt den nach dem Testen der abwechslungsreichen Cocktailkarte trunkenen Gast vor dem Sturz in die Spree. Direkt an der Spree sitzend blicken wir auf vorbeifahrende Touristen-Rundfahrtschiffe, auf Ruderboote, kleine Motorboote und große Yachten. Wir träumen von einem Hausboot, mit dem wir die Spree, die Havel gemächlich von See zu See tuckern und alles hinter uns lassen. Die Speisekarte ist stark an Tapas orientiert. Aber genau kann ich mich jetzt nicht erinnern, es hat geschmeckt, hat keinen bleibenden negativen oder positiven Eindruck hinterlassen, es wurde bei unserem diesjährigen Besuch als okay empfunden.
Unser letzter Biergarten bzw. Srandbad ist das Palm Beach, gelegen am Zusammenfluß von Spree und Landwehrkanal. Sehr groß etwas unübersichtlich. Unterteilt in Selbstbedienung und Bedienungsflächen, wo was, hat sich uns nicht erschlossen. Die Bedienung, der Grillstand, alles etwas desorganisiert, das Gegenteil zum perfekt durchorganisierten Haus am See.

Trotz des Namens oder vielleicht gerade deshalb hat das Ganze eine recht familiäre Atmosphäre es gibt Kinder, aber auch Ältere jenseits der 50. Es wird recht rustikal gegrillt, es war lecker, leider ist unser Besuch schon eine ganze Weile her und ich kann mich nicht mehr erinnern, was es war, aber ich würde noch mal hingehen. So unser Überblick, jetzt warten wir auf den nächsten Sommer, die Wartezeit wird ja immer kürzer, tschüß