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Archive for September, 2007

Die Deutsche Bahn und ihr Kundenverständnis

Samstag, September 29th, 2007

am 11.09. bekam ich einen Newsletter von der Deutschen Bahn, angesprochen wurde ich mit “Sehr geehrte 0 Pozelt,”. Als toleranter und leidensfähiger Mensch führte ich dies auf die Unzulänglichkeiten von Software zurück. “Natürlich ist die Bahn nicht der Meinung, dass die Null von Ohlen wirklich eine Null ist.” hieß es zum Beispiel bei Website-Boosting Mittlerweile bin ich mir da aber nicht so sicher, ob der Kunde vielleicht doch nicht als eine Null betrachtet wird. Im Newsletter wurde unter anderem eine Bahncard angepriesen, erhältlich in den Fan-Shops von HERTHA BSC.

“… die BahnCard für alle Fans von HERTHA BSC und solche
die es werden wollen, ist nur noch bis 15.09.2007
erhältlich. Die Hertha BSC BahnCard kostet einmalig
nur 29,- EUR und verlängert sich um jeweils einen
Monat bei jedem HERTHA-Auswärtssieg in der
Hinrunde. Das lohnt sich nicht nur für Fußball-Fans,
denn mit ihr bekommen Sie immer 25% Rabatt
auf den Normalpreis und die günstigen Sparpreise…”

Ich bin zwar kein Fan von Herta BSC, aber ich dachte trotzdem, ein günstiges Angebot, und da ich im Oktober zu meiner Schwester nach Trier fahren wollte, eine gute Gelegenheit. Als auf zum Fan-Shop, dort schaute man mich entgeistert an und wußte von nichts. Zum Glück hatte ich den Fan-Shop im Hauptbahnhof gewählt und nicht einen, der weit ab von einer Bundesbahnverkaufstelle, früher Fahrkartenschalter, heute Reisecenter, liegt. Im Fan-Shop fiel dann einer anderen Verkäuferin, oder sind das heute Fan-Betreuerinnen ein, “heute morgen war doch schon einer hier, da müssen Sie ins Reisecenter gehen.” Nun gut, ins Reisecenter, Bahncard gekauft, nachdem ich bezahlt hatte, wurde ich darüber informiert, daß ich in ca. vier Wochen eine Bahncard zugeschickt bekomme, bis dahin müßte ich den fahrkartenähnlichen Ausdruck als Bahncard benutzen. Ich dacht mir noch nichts dabei. Zu Hause wollte ich dann online meine Fahrkarte buchen, weil dies 5.00 € preiswerter ist. Ich gebe alle meine Daten ein und werde zu guter Letzt nach meiner Bahncard-Nummer gefragt. Na ja, auf dem Ausdruck stehen vielerei Nummern, alle ausprobiert, keine funktioniert, Kundencenter angerufen, da wurde ich aufgeklärt, die Nummer steht nur auf der Bahncard, da müssen Sie am Schalter buchen. Na ja, mein Frustrationstoleranz war noch nicht ausgereizt, und es sind ja auch nur 5,00€ mehr, denke ich, in der fehlerhaften Annahme, eine Buchung, eine Buchungsgebühr, was sich als falsch herausstellte. Die von mir recherchierte und der Fahrkartenverkäuferin vorgelegte Verbindung wurde als zwei Buchung gewertet, heißt 10.00 €. Die Bahn unterscheidet bei ihren Online-Buchungen zwischen Normalpreis und Sparpreis, es muß noch etwas geheimnisvolles Drittes geben. Ich hatte eine Verbindung gefunden unter Sparanbebote für Hin- und Zurück für 118 € und ging davon aus, 25 % auf die günstigen Sparpreise – siehe oben – zu bekommen. Denkste, die Verkäuferin erklärte mir, dies gelte nur für Sonderangebote, nicht für Dauersparangebote. Wenn dem so ist, wird es bestimmt einen Hinweis irgendwo im Kleingedruckten auf diese “sophisticated” Unterscheidung geben, daher spare ich mir den Brief ans Kundencenter, denn ich nehme an, ich werde freundlich über diese Kleingedruckte aufgeklärt, und es wird ein tiefes Bedauern ausgedrückt. Ich werde es mir einfacher machen und das Kundencenter über den Blogeintrag unterrichten und auf die Kommentarfunktion hinweisen. Ich mußte jetz also 118 + 10 + 29 = 157 € bezahlen. Die Fan-Bahncard gilt bis Ende Dezember und verlängert sich pro Auswärtssieg der Hertha BSC um einen Monat. Hertha BSC hat mir schon den Gefallen getan und einmal auswärts gewonnen, aber ob es noch mehr wird, das war mein Wetteinsatz.

Die Bahn bewarb die BahnCard aber damit, daß sie sich bereits bei EINER längeren Fahrt lohne.

Meine Fragen sind:

Muß ich bei der DB von einem Verhalten ausgehen, welches klischeehaft von Gebrauchtwarenhändlern oder früher von Roßtäuschern erwartet wird ?

Hält es die DB für übliches Geschäftsgebaren, jemandem etwas zu verkaufen und dann nach dem Verkauf darüber aufzuklären, daß in etwa vier Wochen alle Funktionen der verkauften Waren zur Verfügung stehen?

Hält es die DB für ein seriöses Geschäftsgebaren, von Rabatten auf Sonderpreise zu sprechen und dann plötzlich nebulös in rabattfähige und nicht rabbatierbare Sonderpreise/Angebote zu unterscheiden?

Muß ich befürchten, wenn ich eine Currywurst im Speisewagen bestelle (die soll der hungernde Herta BSC BahnCard-Nutzer auch 25 % ermäßigt bekommen), zu erfahren, daß es die Currywurst nur gibt, wenn ich blau-weiße Unterwäsche trage oder eine mir sonst nicht bekannte Bedingung erfülle?

Geht die Bahn davon aus, wer mit der Bahn fährt, ist eine Null und hat es nicht besser verdient?  Warum fährt er nicht mit dem Auto fahren oder fliegt.

Landpartie

Montag, September 17th, 2007

Gestern mit Slow Food Berlin auf Landpartie . Zuerst ging es nach Bornow. Bornow gehört zur Gemeinde Beeskow im Osten Brandenburgs. Es ist eine Landschaft, die im besten Sinne ländliche Idylle pur repräsentiert, für den “Metropolen-Städter” vermittelt sie wohltuend Ruhe im Bewußtsein, es ist ja nur für ein paar Stunden.

landpartie3.jpg

Zunächst wurde eine Gärtnerei besichtigt, die sich auf alte Tomatensorten spezialisiert hat. Tomatensorten, die für den industriellen Anbau aus vielfältigen wirtschaftlichen Gründen uninteressant zum Anbau sind, aber – wie sich zeigt – von abwechslungsreicher intensiver Geschmacksvielfalt und Formenvielfalt sind. Tomaten, so klein wie Johannisbeeren, so groß, daß eine Tomate für einen Salat für zwei Personen reicht. Tomaten, die auf Grund ihrer leicht mehligen Konsistenz mehr für Saucen geeignet sind, Tomaten, die sich auf Grund ihrer Saftigkeit wunderbar als Brotbelag eignen. Auf dem Weg zur Tomantenverkostung entlang eines Eichenhains und durch märkische Magerwiesen entdeckten wir Steinpilze gigantischen Ausmaßes. Ich war insbsondere in meiner Kindheit oft Pilze sammeln, aber so große Steinpilze in dieser Anzahl habe ich noch nie gesehen.

Steinpilz

Nach diesem Pilzbild hier die bildliche Dokumentation der Tomatenvielfalt.

Tomatenvielfalt

Die Tomaten gibt es auch in Berlin auf dem Wochenmarkt am Karl-August-Platz in Charlottenburg mittwochs ab 7.00 Uhr früh zu kaufen. Nach Aussage der Gärtnerin sind die Tomaten spätestens 8.30 Uhr ausverkauft. Außergewöhnliche Geschmackserlebnisse bedingen außergewöhnliche Anstrengungen. Etwas ganz Besonderes war die Kombination von frischem Wabenhonig mit Kapstachelbeere.

Frischer Honig und Kappstachelbbere

Nächste Station unserer Landpartie war das Gut Hirschaue in Birkholz. Hier hat sich eine Landwirtsfamilie auf ökologische Wildgatterhaltung spezialisiert. Auf über 380 ha Land wird Dam- und Rotwild gehalten.

damwild.jpg

Die Tiere verfügen über mehrere Hektar große artgerechte Futterflächen. Der Boden wird nach Äsung des Wildes und vor der Neuansaat von Winterroggen von einer Horde märkischer Sattelschweine, eine Kreuzung von Wildschwein und einer Haustierrasse, “umgepflügt”.

märkisches Sattelschwein

Die Schweine machten einen wirklich glücklichen Eindruck und – die Vegetarierer wird es grausen – ich mußte daran denken, daß das Fleisch dieser Tiere mit allergrößter Wahrscheinlichkeit sehr wohlschmeckend ist. Gut Hirschaue bietet seine Produkte auf den Spezialmärkten auf Domäne Dahlem an und ab Oktober auch auf dem Markt an den Gropius-Passagen. Zudem bekommt der Genießer das Fleisch vom märkischen Sattelschwein im Endverbraucher-Laden Frischeparadies in der Morsestraße 2.

Noch ein schweiniges Schweinebild

schwein.jpg

Die Landpartie endete in der Alten Schule in Reichenwalde mit einem Dreigang-Menü und reichlich Wein. Zur Alten Schule gibt es Informationen im Gault Millau. Ein schöner Spätsommer-Sonntag, leider dieses Jaht nicht mehr so oft zu erwarten.

 


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