Assoziationen zu Death Proof
Nachdem ich einige sehr positive Kritiken (Taz, Faz.net, Mercedes Bunz) über Death Proof gelesen habe, habe ich mir gestern selbst den Film angeschaut. Danach die Kritiken nochmal gelesen, und sie beschreiben den Film sehr gut. Da ich, auch nur im Ansatz, nicht über so viele Kenntnisse über das Kino und seine Filme verfüge wie die Autoren der Kritiken, werde ich nicht noch eine Filmkritik schreiben.
Auf dem Weg nach Hause sprach ich kurz mit meiner Frau über den Film, und sie fragte: Sind Männer wirklich so? Die Männer in Death Proof sind nicht gerade sympathisch, ihr Denken kreist hauptsächlich um nehmenden Sex.
Ich habe meiner Frau zunächst keine Antwort gegeben. Wir Männer sind ein wenig so wie in Death Proof, nur können wir nicht so gut Auto fahren, hatten als junger Mann nicht die Unverfrorenheit, ein Mädchen zu fragen, ob sie mit uns ins Auto zum Küssen steigt, und haben nicht so selbstverständlich Abfüllstrategien zum Abschleppen von Frauen entwickelt. Diese Gedanken gingen mir so durch den Kopf, da fiel mir eine Geschichte aus meiner frühen Jugendzeit ein, es war die Zeit des Übergangs vom Kind zum Jugendlichen.
Erste zaghafte Kontakte zum anderen Geschlecht hatten sich entwickelt. Der Fahrradkeller wurde zum Partykeller umgerüstet, Mädchen wurden eingeladen, die auch kamen. Zuvor hatte uns aber die Nachricht aus geheimnisvollen, aber unbedingt zuverlässigen Quellen erreicht, Hirschhornsalz würde Mädchen – heute würde man sagen geil machen – ich weiß gar nicht mehr, welchen Begriff wir verwendet haben – ich weiß nur, wir hatten die Vorstellung, Hirschhornsalz würde bewirken, die Mädchen würden sich das gefallen lassen, was wir möchten. Was das Möchten sein sollte, wußten wir nicht ganz genau, es sollte mit Knutschen, Fummeln zu tun haben, mit etwas, was wir noch nicht kannten.
Hirschhornsalz als Backzutat, erhältlich im gut sortierten Lebensmitteleinzelhandel, war uns fremd. Wir gingen von einem Büdchen (Kiosk mit Sortiment für den alltäglichen Bedarf) zum andern, verhandelten zwischen uns, wer sich traut, nach diesem geheimnisvollen Mittel zu fragen. Fragten nach Hirschhornsalz und erhielten eine negative Antwort. Der Feten-Termin, oder hieß es noch Party?, rückte näher, und irgendwann hatte einer von uns auch das geheimnisvolle Hirschhornsalz beschafft. Die Party begann, als die Stimmung uns geeignet erschien, wurde Hirschhornsalz in die Cola geschüttet, “Je t’aime” aufgelegt, versucht “eng” zu tanzen. Das war es, Hirschhornsalz stellte sich als Versager heraus. Bald danach zerfiel unsere erste Jungs-Clique, und der Partykeller wurde wieder zum Fahradkeller.
Ich hoffe, und bin mir auch ein wenig sicher, in den vergangenen vierzig Jahren das Aushandeln zwischenmenschlicher Bedürfnisse gelernt zu haben. Dies als Antwort auf die Frage meiner Frau.