Der Kunde und ich
Hinterfragen – Selbstkritik – Kritische Distanz zu eigener Übersetzung
Letzte Woche kam von einem Kunden eine Reklamation einer Übersetzung.
Thema war ein Subunternehmervertrag. Die „employees“ des englischen Originals, üblicherweise als „Mitarbeiter“ wiedergegeben, sollten doch bitte mit „Personal“ übersetzt werden, da es sich um die festen wie freien MitarbeiterInnen des Subunternehmers handelt.
Es gibt zwar die Personalabteilung und den Personalchef eines Unternehmens, aber Personal an sich ruft doch die Assoziation von Hausangestellten oder Mitarbeitern im Hotelgewerbe in niedrigen Positionen hervor.
Da auch der Vorschlag „Fremdpersonal“ nicht auf Gegenliebe stieß, wurde also der Text auf „Personal“ umgeändert – auch wenn mir als Übersetzerin dies ursprünglich nicht in den Sinn gekommen ist und auch im Nachhinein Kopfschmerzen bereitet.
Aber beim Übersetzen ist – zumindest in der Muttersprache – der Kunde der Herr der Terminologie. Und nur in ganz gravierenden Fällen, also sprachlich falschen oder unverständlichen oder irreführenden Begriffen hat die Übersetzerin eine Möglichkeit, auf den Kunden einzuwirken.
Allerdings muß frau auch diese Haltung verstehen. Bei technischen Neuentwicklungen kann es geradezu „lebenswichtig“ sein, die firmeneigene Terminologie von der der Wettbewerber abzugrenzen.
Als Übersetzerin lernt frau jeden Tag dazu.
Und ist verpflichtet, sich nie mit dem zufriedenzugeben, was sie bisher weiß und kennt.